Journal

Eine Fehldiagnose – das Ende einer Baseballkarriere?

Jackie Robinson sagte einmal: „The way I figured it, I was even with baseball and baseball with me. The game had done much for me, and I had done much for it.“

In diesem Interview ging es nicht nur um Baseball. Es ging um die Liebe zum Baseball, die Leistung die erbracht wurde und eine Krankheit, die das Aus für eine Leistungssportlerin bedeutet hatte. Es geht nicht um Krebs, es geht auch nicht um einen Schlaganfall. Es geht um eine angeborene Fehlbildung des Brustkorbs: die Trichterbrust („Pectus excavatum“). Hierbei steht das Brustbein auffällig nach innen, sodass die vordere Brustwand trichterförmig vertieft etwa 300 bis 400 Neugeborenen sind von der Fehlbildung betroffen. Davon sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Meist wird die Diagnose innerhalb des ersten Lebensjahres gestellt. Für viele Betroffene ist das optische Erscheinungsbild der Trichterbrust eine große psychische Belastung. In ausgeprägten Fällen kann diese Fehlbildung die Herz-Lungen-Funktion beeinträchtigen und dadurch die körperliche Leistungsfähigkeit vermindern. „Ich hatte als Kind echt Glück, dass mein Herz normal gewachsen ist, denn viele haben Probleme mit manchen Organen. Bei mir ist es beispielsweise das Lungenvolumen, was niedriger ist als bei anderen“, sagt Denise, ehemalige Leistungssportlerin im Base-/ und Softball. Sie ist 22 Jahre alt, kommt aus Karlsruhe und studiert Metrologie und Klimatologie am KIT. Denise erzählt uns im Interview wie sie es trotz ihrer Krankheit geschafft hat den Leistungssport auszuüben und wieso es zu Ende ging. Es war ein sehr emotionales Interview. Ich wünsche euch viel Spaß und viel Kraft beim Lesen!

Du hast sehr lange Baseball und Softball gespielt. Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe Baseball als Leistungssport ausgeübt. Das hat bei mir schon als Kind angefangen, dass ich mich dafür interessiert habe. Ich habe mir immer Baseballfilme angesehen. Nach der Grundschule bin ich auf eine private Schule gegangen, auf der es eine Baseball-AG gab. Mich hat die Sportart total fasziniert. Anfangs hatte ich es mal mit dem Handball probiert, allerdings waren da meine Eltern dagegen, weil ich mich immer verletzt hatte. Mein Lehrer in der Baseball-AG hat mir vorgeschlagen mal ins Training zu gehen. Er meinte ich kann es Leistungstechnisch schaffen, auch wenn ich diese Einschränkung habe. Also habe ich geübt und mitgehalten und es wurde für mich zu einer Leidenschaft. Ich habe immer alles gegeben. Auch meine Eltern hatten mich total unterstützt und ich habe sie immer nach dem Training angerufen, um ihnen zu erzählen was ich erlebt hatte.it 10 Jahren durfte ich als Mädchen bei den Jungs mitspielen. Als ich dann 12 war wurde ich darauf angesprochen, ob ich in der Verbandsliga spielen möchte. Natürlich war ich dem gegenüber offen und hatte mich gefreut. Weil ich aber noch keine 15 Jahre alt war, musste ich einen Test machen, um zu schauen ob ich die Leistungssportart ausüben darf.
Ab einem gewissen Alter wechselt man als Frau von Baseball zu Softball. Da gibt es einige Änderungen.

Wie genau machst du das mit dem Sport – auf Grund deiner Zwerchfellbrust?

Bei mir ist es tatsächlich so, wenn ich regelmäßig Sport betätige habe ich überhaupt kein Problem mit der Ausdauer. Denn der Körper gewöhnt sich an den Sport. Für mich war es total schwierig nach zwei bis drei Wochen Pause wieder zurück zum Sport zu kommen, auf Grund meines Lungenvolumens.

Für welche Mannschaften hast du schon gespielt?

Ich selbst hab bei einer der Auswahlmannschaften in Katar mitgespielt. Außerdem habe ich auch in Baden-Württembergische Auswahl und mit 15 durfte ich in der Bundesliga spielen. Mit 16 hatte ich dann meine ersten Matches. Ich habe nicht nur für Karlsruhe, sondern auch für andere Mannschaften gespielt. Dazu gehört zum Beispiel die Ami-Base für das Amit-Tam Select und die Stuttgarter Patch Barracks. Auch bei Turnieren war ich immer am Start und meist sogar die einzige Deutsche.

Du hast erzählt du wurdest mehrmals Meister. In was alles?

Das erste Mal wurde ich deutsche Meisterin als ich neun Jahre alt war. Des Öfteren war ich Deutsche Vizemeistern in der Jugend. Von der Stadt Karlsruhe habe ich 2012 den „Young Champion Award“ für Leistungssport erhalten.

Gibt es für dich eine Art „Traummannschaft“?

Ich selbst bin ein riesiger Fan von Jackie Robinson von den Dodgers. Er war der erste dunkelhäutige Baseballer in der Geschichte. Früher war es so, dass diese von den weißen im Baseball unterteilt wurden und ihre eigene League hatten. Er war der erste dunkelhäutige, der es riskiert hat mit den weißen zu spielen.

Im Softball war es immer USSSA Pride. Eine Bekannte von mir, die Schwester von Stephanie Ceo, spielt dort seit einiger Zeit. Damals wurden ein bis zwei aus dem Team nach Deutschland gebracht und haben mit uns gemeinsam gespielt. Sie selbst war der Coach in dem Team und hat mir vieles beigebracht – abgesehen vom Softball sind auch meine Englisch-Kenntnisse bessergeworden. Das hat mir auch nochmal so viel Kraft gegeben.

Wie sah dein Alltag aus als Softballerin aus?

In der Winterpause hatte ich meist Zeit für die Schule und für Freunde. Im Sommer hatte ich am Wochenende immer zwei bis vier Stunden Spielzeit. Das sah dann so aus: samstags Verbandsliga, sonntags Bundesliga. Wir waren immer den ganzen Tag unterwegs. Es war schon viel, hat aber auch echt Spaß gemacht. Ich war aber echt glücklich, dass ich auf einer privaten Schule war und nie in der Schule Probleme hatte. Ich hatte immer gute Noten, obwohl ich bis zu vier Mal die Woche Training hatte und das ganze Wochenende Spiele. Zeit fürs Lernen gab da nicht. Klar ist Sport und Bildung zu gleich immer ein bisschen anstrengend, aber es war machbar.

Worauf muss man achten im/ und außerhalb des Spiels?

Etwas was echt wichtig ist und immer beachtet werden sollte ist, dass man sich respektvoll verhält. Wenn man sich falsch benimmt, kann man Strafen erhalten.

Im Spiel sind es die normalen Regelungen, es gibt eine Defensive, eine offensive und sinnvoll ist es natürlich, dass man so viele Punkte wie möglich bekommt. Beispielsweise durch Fehler vom Gegner. Die Regelungen sind recht kompliziert und es steckt echt viel Strategie dahinter. Trainiert wurde alles Mögliche vom Werfen, Fangen, bis hin zum Schlagen. Auch Zirkelübungen hatten wir.  

Welche Personen inspirieren dich?

Im Pitchen war es immer Andrew Cashner von den Dodgers. Im Softball war es Stephanie Ceo. Vorher hatte ich erzählt, dass ihre Schwester bei den USSSA Pride gespielt hatte. Unter anderem hat sie die College League gewonnen und somit echt gute Chancen in die NFL zu kommen. Ich selbst habe ein Oberteil von ihr bekommen und das werde ich für immer behalten. Das hat mich total inspiriert und motiviert zugleich.

Was waren deine Ziele im Sport?

Ich selbst wollte den Menschen schon immer zeigen, dass man trotz Krankheit auch sehr weit kommen kann. Man muss sich nur durchsetzen, auch wenn es manchmal nicht mehr weiter geht.

Bei mir war es so, dass ich immer versucht habe das Beste zu geben, viel lernen und nie aufgeben wollte. Das ging irgendwann nicht mehr. Was ich damit sagen möchte ist, dass es immer Dinge gibt, die dazu kommen, die man noch nicht weiß. Es kommen beispielsweise neue Taktiken dazu und neue Ausrüstung (damals war es beispielsweise der Aluschläger, der total beliebt war, mittlerweile ist es der Karbonschläger).

Ich selbst habe in der Bundesliga den Pitcher gespielt, was so ziemlich die wichtigste Position als defensiver Spieler ist, da du versuchst den Ball ins Feld zu bringen. Damit möchte ich sagen, dass du selbst als Leistungssportler jahrelang Zeit brauchst um die schwierigsten Positionen zu lernen und deshalb solltest du niemals aufgeben. Auch ich habe bis zum Schluss gekämpft.

Hat die Sportart etwas nach deinen Meisterschaftssiegen an dir oder deinem Leben verändert?

Du musst dir vorstellen, damals war ich das kleine Mädchen mit den kurzen blonden Haaren, die sehr schüchtern, dünn und angreifbar war. Mein Lehrer meinte damals zu meinen Eltern, dass ich mich durch die Sportart so verändert habe und total selbstbewusst geworden bin. Ich selbst hatte autistische Züge und immer Probleme soziale Kontakte zu knüpfen. Durch die Sportart hat sich all das verändert. Du hast ein Team was hinter dir steht. Du lernst was Zusammenhalt bedeutet, du lernst das Zwischenmenschliche kennen und wächst dadurch auch in deiner Persönlichkeit. Meine Selbstsicherheit und mein soziales Verhalten sind erst durch diese Sportart entstanden. Und das ist einfach so schön!

Was war der schlimmste Moment, der dir auch in Zukunft immer in Erinnerung bleiben wird?

Ich selbst habe mir nie etwas gebrochen und mich sehr selten verletzt. Was das anging, hatte ich echt immer Glück. Als es mit meinen körperlichen Problemen anfing war es echt schwer gewesen. Ich habe ein Jahrzehnt eine Sportart ausgeübt – auf Leistungsebene. Und dann plötzlich alles verloren. Mit 19 hatte ich meine letzte Juniorinnenmeisterschaft. Damals hatte ich eine Erkältung, die ich nicht auskuriert habe. Ich habe am Turnier teilgenommen und es durchgezogen, denn es war das wichtigste Turnier im Jahr und ging auch ein ganzes Wochenende. Danach lag ich im Bett und war krank. Ich hatte schon immer ein geringes Lungenvolumen durch meine Trichterbrust. Durch meine Erkältung, die sich sehr lange hingezogen hat ist ein Druck im Schulterbereich entstanden, der falsch diagnostiziert wurde. Es wurde nicht auf die Trichterbrust, sondern auf die Skoliose geschoben. Es hat sich ein totaler Druck in mir ausgebreitet. Durch meine Skoliose und Trichterbrust wurde es nicht besser. Ich fasse mich mal kurz: Ich war in Krankenhäusern und bei Ärzten und hatte eine Menge Fehldiagnosen. Das Ganze hat sich eine Ewigkeit hingezogen. Davor hatte ich nie große Probleme mit meinem Lungenvolumen. Mir wurden Schmerztabletten verschrieben, aber es wurde nicht besser. Also habe ich Muskelrelaxans bekommen. Das bekommt man eigentlich nur nach einem Schlaganfall um Spastizität zu lindern. Dadurch wurden meine Schmerzen immer schlimmer und ich musste nochmal ins Krankenhaus. Ich habe von meinem Orthopäden Krankengymnastik verschrieben bekommen, was das Ganze etwas besser machte.

Als ich wieder so halbwegs auf den Beinen war, ging ich wieder zum Sport zurück und habe gemerkt, dass es körperlich einfach nicht mehr geht. In meiner letzten Spielsaison mit 20 hatte ich so viele Schmerzen gehabt, dass ich „aufgeben“ musste. Bei meinem letzten Spiel, bei dem es um die Pokalspiele ging und wir ausgeschieden sind, habe ich total weinen müssen. Nicht weil wir ausgeschieden sind, sondern weil ich wusste und realisiert habe, dass es für mich vorbei ist und ich die Sportart nicht mehr ausüben kann.

Während meinem Studium habe ich mich dazu entschieden, dass ich meiner zweiten Leidenschaft, dem eSport, hinterhergehe. Ich bin zum KIT SC eSportsverein von der Uni gegangen, da ich mein Leben gern zocke. Im Mädelsteam haben wir ab und zu mal Turniere, bei denen es manchmal um Geld, aber eher um Spaß geht. Nun bin ich da Vorstand für die Öffentlichkeitsarbeit und SocialMedia. Dort habe ich meinen Platz gefunden. Damals war ich auf größeren Events vertreten und habe Bilder gemacht. Ich liebe es zu Fotografieren und habe auch manchmal eigene Veranstaltungen. Ich unterstütze beispielweise ein/e Bundestagskandidat/in für den Landkreis Karlsruhe und mache da mitunter Bilder und die Unterstützung im Wahlkampf.  

Natürlich gehe ich auch noch ins Fitnesstudio (wenn es geöffnet hat), weil ich weitere Übungen wegen meinem Rücken machen muss. Meine rechte Schulter kann ich allerdings kaum noch belasten.

Hast du auf dem Feld einmal etwas Magisches erlebt?

Ich hatte eine gute Freundin. Sie ist mit 14 verstorben, da sie von einer Bahn getroffen wurde. Wir hatten damals die Qualifikation für die Juniorinnen deutsche Meisterschaft. Vor dem Turnier habe ich von ihrer Mutter eine Kette bekommen, auf der ihr Name draufstand. Ihre Mutter hat mir diese Kette als Erinnerung geschenkt. Immer wenn etwas Größeres ansteht habe ich diese Kette an (beispielsweise bei meinem ersten Flug, wichtigen Veranstaltungen, …). Damals hatte ich sie an, weil ich total nervös war wegen eines Qualifikationsturniers. Und dann geschah es… Ich habe tatsächlich einen Homerun geschlagen, was überhaupt nicht oft passiert. Das war einfach der schönste und magischste Moment in meinem Leben.  

Dein Statement.

Gib niemals auf! Wenn du etwas nicht hinbekommst dann solltest du eine andere Alternative suchen, womit du dich wohlfühlst und du deinen Ausgleich findest. Klar ist die Hoffnung manchmal weg, aber denk immer daran: Da draußen wartet etwas anders, viel Größeres auf dich.

Ziemlich emotional, oder? Wie ging es euch beim Lesen?
Habt ihr eine Sportart, die ihr von klein auf ausübt? Könntet ihr euch Vorstellen mal bei Olympia, einer Europameisterschaft oder einer Weltmeisterschaft teilzunehmen?

Vielen Dank fürs Lesen! Lasst mir gerne Feedback da! Falls ihr irgendwelche Eigenschaften, Hobbys oder weitere Themen habt, die ihr interessant findet, oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, … ihr kennt das Spielchen, dann meldet euch doch gerne bei mir! ~M

Momo

Hey! Willkommen auf meinem Blog. Ich bin 24 und schreibe für mein Leben gern. Auf meinem Blog findest du einmal den Journal, in dem ich Interviews durchführe und dir aktuelles mitteile, aber auch die TeaTimeStories, in denen es um Gedankengänge und Kurzgeschichten geht. Seit neustem bin ich dabei in "We all are just Stories" mehrere Kapitel meiner Kurzgeschichte zu veröffentlichen. Viel Spaß beim Stöbern! :) Deine Momo

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.