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Hirntumor – eine Erkrankung, die meist in den Genen liegt

Wenn der Kopf dröhnt und pocht, sind oft Schlafmangel und Stress schuld – jedoch nicht immer. Die meisten Menschen nehmen hiergegen ein Medikament. Wenn die Kopfschmerzen nicht verschwinden suchen sie einen Arzt auf. Jedes Jahr erkranken 480.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Darunter erkranken 9,8% der Männer und 7,7% der Frauen von 100.000 Menschen an Hirntumoren (vgl. Hirntumorhilfe). Diese Erkrankung betrifft vor allem Menschen ab dem 60. Lebensjahr, kann aber in jedem Alter auftreten und sogar bei Kindern entstehen. Die gute Nachricht: in vielen Fällen ist die Erkrankung heilbar.

„Ein Hirntumor entsteht nur in seltenen Fällen durch Umwelteinflüsse– die Erkrankung liegt meist in den Genen“, erklärt Dr. Alexander König (47 Jahre), Oberarzt der Neurochirurgie im Städtischen Klinikum Karlsruhe. Bei der Neurochirurgie handelt es sich um die operativen Behandlungen von Schädigungen oder Erkrankungen des peripheren oder zentralen Nervensystems. Dr. Alexander König ist schon seit 21 Jahren im Beruf und in der Neurochirurgie tätig. Im Jahr 2014 hat er das Buch „Degenerative Erkrankungen der Halswirbelsäule“, drei Jahre später das Buch „Schädelbasischirurgie“ und im Jahr 2019 das Buch „Neurochirurgische Therapie des Schädel-Hirn-Traumas: Operative Akutversorgung und rekonstruktive Verfahren“ veröffentlicht.
Dr. Alexander König erklärt uns im Interview unterschiedliche Aspekte eines Hirntumors, darunter auch die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Wie sind Sie zur Neurochirurgie gekommen?

Damals, als ich noch im Studium war hatte ich im zweiten Studienjahr eine Biochemievorlesung. Da ging es grob gesagt um das Gehirn. Wir behandelten Tumore, die operativ entfernbar waren. Ich selbst konnte mir das damals gar nicht vorstellen, an einem Gehirn zu operieren und als Neurochirurg zu agieren, aber das hatte mein Interesse geweckt. Und so bin ich letztlich zur Neurochirurgie gekommen.

Welche Erkrankungen werden in der Neurochirurgie behandelt?

In der Neurochirurgie gibt es verschiedene Erkrankungen. Zu den Erkrankungen des Gehirns zählen unter anderem Hirntumore, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutungen, Fehlbildungen des Schädels und der Hydrocephalus. Auch an der Wirbelsäule können Erkrankungen auftreten, wie beispielsweise eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung, Nervenverletzungen, Rückenmarkverletzungen, Tumore an der Wirbelsäule und an den Nervenstrukturen. Auch Entzündungen und Abszesse können im Wirbelkanal als auch im Gehirn auftreten.

Was war denn Ihr Besonderer OP-Moment?

Im Laufe der Jahre gibt es als Chirurg immer Operationen, bei denen es schwierig und kritisch war aber am Ende doch gut ausgegangen ist. In meinem Berufsleben fand ich am Eindrucksvollsten die Operation an einer jüngeren Frau. Sie war 27 Jahre alt und kam wegen einer „spontanen“ Hirnblutung ins Krankenhaus. Sie kam vermutlich schon mit einer Gefäßfehlbildung im Hirn auf die Welt und das war der Auslöser, denn diese ist geplatzt. Die Chancen, dass die junge Frau das mit einer guten Operation überlebt waren sehr gering. Ich selbst war sehr skeptisch. Aber nach der Operation hatte sich die 27-jährige gut erholt und lag noch drei bis vier Wochen auf der Intensivstation. Vor der Reha konnte sie ihr Smartphone und ihren Laptop bedienen und grundsätzlich komplexe Dinge handhaben. Das hatte mich sehr gefreut, da es eine sehr schwierige Operation war, die am Ende gut ausgegangen ist.

Sprechen wir über den Hirntumor. Wie äußert sich dieser?

Am häufigsten treten bei Hirntumoren Kopfschmerzen auf, die trotz Medikamenteneinnahme nicht mehr verschwinden. Außerdem bekommen die Menschen, die noch nie einen Krampfanfall hatten einen epileptischen Anfall. Je nach dem wo der Hirntumor liegt können sich Sprachstörungen, Sehstörungen als auch eine halbseitige Lähmung entwickeln.

Das sind ähnliche Symptome wie bei einem Schlaganfall. Woran kann man erkennen, dass es sich hierbei um einen Hirntumor handelt?

Allein an der Ursache der Störung kann das natürlich nicht erkannt werden. Der erste Hinweis der sich äußert ist, wenn jemand plötzlich aus dem nichts diese Symptome hat. Das deutet auf einen Schlaganfall hin. Ein Hirntumor ist ein schleichender Prozess, der sich irgendwann bemerkbar macht. Erst bei einem MRT oder CT kann die Ursache erkannt werden. Allein an den Symptomen ist das nicht sofort möglich.

Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?

Die erste Behandlungsmöglichkeit bei einem Hirntumor ist meist eine Operation. Wenn es ein bösartiger Tumor ist, ist immer eine Bestrahlung – meist in Kombination mit Chemotherapie – möglich. Bei einem gutartigen Tumor reicht eine Operation. Bei kleineren Befunden an ungünstigen Stellen gibt es auch die Möglichkeit einer gezielten robotergestützten Bestrahlung ohne die jeweilige Operation.

Wie kann man Bestrahlung und Chemotherapie unterscheiden?

Nun ja, ich bin kein Fachexperte, hierfür gibt es Fachärzte für Strahlentherapie, die den Unterschied genauer erklären können, denn das ist ein breit gefächertes Thema. Aber kurz gesagt:

Eine Bestrahlung findet meist in Linearbeschleunigern statt, bei denen eine ionisierende Strahlung wirkt und die biologischen Gewebe zerstört. Die Krebszellen sollen durch die Strahlentherapie so stark geschädigt werden, dass sie absterben.

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die bei Hirntumoren meist in Tablettenform, bei anderen Tumoren über eine Infusion über mehrere Wochen durchgeführt wird.

Wie sollten sich Angehörige des Krebspatienten verhalten?

Das ist eine Frage des gesunden Menschenverstands. Diese wird mir auch häufig von Angehörigen selbst gestellt. Sie sollten empathisch sein und für den Menschen, der das durch, lebt da sein. Ein Hirntumor ist meist ein lebensbedrohlicher Zustand. Was die meisten Menschen hier machen ist, viel Zeit, Hingabe und Trost spenden.

Kann gesagt werden, wie lange es möglich ist mit einem bösartigen Hirntumor zu leben?

Diese Frage wird mir sehr oft von Patienten gestellt. Das ist für eine einzige Person schwierig vorherzusagen. Hierfür gibt es Statistiken. Bei dem bösartigsten Hirntumor liegt die Lebenserwartung bei sechs bis 24 Monaten. Es kommt natürlich immer darauf an, wie fortgeschritten dieser ist. Dass Menschen mit diesem Hirntumor fünf Jahre überleben, ist meist im einstelligen Prozentbereich. Bei einigen Tumoren ist auch die Heilung möglich. Menschen können heute bei guter Behandlung viele Jahre mit dieser Erkrankung. Es hängt natürlich von der Art des Gewebes und des Tumors ab, wie er sich verhält.

Kann ein Hirntumor vererbt werden?

Klar gibt es familiäre Häufungen bei Hirntumoren. Das ist allerdings eher selten. Meist sind es spontane oder schicksalhafte Erkrankungen.

Was sind die Auslöser eines Hirntumors?

Ein Hirntumor wird nur in seltenen Fällen durch Umwelteinflüsse verursacht werden. Ein Beispiel ist hier der enge Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs. Bei einem Hirntumor ist das anders. Er liegt in aller Regel in den Genen. Meist sind wir Menschen mit der Tendenz zur Entwicklung eines Hirntumors auf die Welt gekommen und im Laufe der Jahre kommt es zur Erkrankung. Eine Prävention kann man deshalb hier leider nicht betreiben. 

Was möchten Sie der Welt mitgeben?

Es ist egal, wie schwerwiegend eine Diagnose ist, man sollte auf keinen Fall verzweifelt sein und mit negativen Gedanken an die Sache gehen. Heutzutage kann man Erkrankungen gut behandeln. Die neurochirurgischen Behandlungsmöglichkeiten einen Hirntumor schonend und komplett zu entfernen, sind mittlerweile sehr fortgeschritten. Man ist nicht chancenlos, sobald man eine schwerwiegende Diagnose bekommt – deshalb: Kopf hoch und niemals aufgeben!

Was wir aus dem Interview mit Dr. Alexander König mitnehmen ist: Niemals in Panik geraten! Sprecht erstmal mit einem Fachexperten, seid die Ruhe in Person, bevor ihr euch all zu viele Gedanken macht!
Vielen Dank fürs Lesen. Lasst mir doch gerne ein Feedback da! Falls ihr Themen habt, über die berichtet werden soll, oder jemanden kennt, der gerne gehört werden möchte, schreibt mir doch einfach eine Nachricht über die Kontaktfunktion oder über meinen Instagram-Kanal (Minimo_007)!

Momo

Hey! Willkommen auf meinem Blog. Ich bin 24 und schreibe für mein Leben gern. Auf meinem Blog findest du einmal den Journal, in dem ich Interviews durchführe und dir aktuelles mitteile, aber auch die TeaTimeStories, in denen es um Gedankengänge und Kurzgeschichten geht. Seit neustem bin ich dabei in "We all are just Stories" mehrere Kapitel meiner Kurzgeschichte zu veröffentlichen. Viel Spaß beim Stöbern! :) Deine Momo

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