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Jeder Mensch ist einzigartig

„Gaffer oder Perverser“. Das sind so einige Beleidigungen, mit denen Allrounder-Fotografen umgehen müssen. Sehr oft rutscht man als Fotograf schnell in eine Nische, auch wenn sich das Model das Shooting aussucht. Aber dann gibt es auch die Models, die total freundlich sind und am Ende freundet man sich an. Dass sehr viele Menschen sich nicht schön finden ist momentan ein Standardproblem. Manche finden sich dick, andere finden sich zu dünn, andere haben einen Genfehler und meist sind die Prägungen aus deren Kindheit oder Jugenden. Meist entsteht sowas durch Mobbing. Nur die wenigsten wissen, dass sie individuell-einzigartig sind. Jeder einzelne da draußen. Jeder einzelne von euch. Vielleicht meine ich ja genau dich. Du, ja genau dich! Du liest doch grade meinen Artikel oder? „Jeder soll, kann und darf sich schön fühlen.“ Dieser Satz sagt der Fotograf Daniel Fink, aus Karlsruhe. Ihm ist es sehr wichtig, dass Menschen sich akzeptieren und mit sich zufrieden sind. Und vielen Menschen hat er schon den Wunsch erfüllt „schön“ zu sein. Vielen hat er durch seine Fotografie geholfen selbstbewusster zu werden. Aber wie hat er all das geschafft? Lies doch einfach selbst!

Wie bist du dazu gekommen Fotograf zu werden?

2013 bin ich Fotograf geworden. Damals war ich noch arbeitssuchend und hatte einfach Lust auf die Fotografie. Damals hatte ich Grafikdesign ausprobiert und das hat mein Interesse zur Fotografie und Kameraleitung geweckt. Dann habe ich mir eine neue Kamera gekauft und zum gleichen Zeitpunkt meinen Welpen Tyson. Gestartet habe ich mit Portraits von meinem Welpen. Dann hat sich das Ganze eben entwickelt und ich habe mich auch getraut Menschen zu fotografieren. Ein Jahr später hatte ich das erste Titelshooting 2015. Erst im Jahr 2017 bin ich dann professionell durchgestartet, da ich der Meinung war ich habe jetzt ein gewisses Grundwissen entwickelt. Damals habe ich viel mit Photoshop gearbeitet und mir einiges selbst beigebracht. Mein Wissen besteht deshalb größtenteils aus „Learning-By-Doing“ durch YouTube und Lernworkshops.

Muss es nicht anstrengend sein mehrere Jobs auszuüben und seine ganze Freizeit mit seinem Job zu verbringen?

Klar ist es anstrengend. Mein Hauptjob ist in der Pflege. Aber durch die Fotografie und meinen ehrenamtlichen Job im Jugendzentrum schaffe ich mir einen Ausgleich. Der Job in der Fotografie erfüllt mich einfach, weil ich immer mit anderen Menschen zu tun habe. Jeder hat seine eigene Art, seinen eigenen Charakter und es sind auch immer unterschiedliche Spots die ich habe. Manchmal im Studio, manchmal Outdoor. Der Job ist einfach so vielseitig. Im Pflegebereich ist es immer wieder ein monotoner Rhythmus. Den habe ich in der Fotografie nicht. Aber im Großen und Ganzen arbeite ich sehr gerne mit Menschen zusammen.

Wie sieht dein Fotografenalltag aus?

Es gibt für mich keinen richtigen Alltag. Er ist immer unterschiedlich. Meistens läuft das so ab, wenn ich ein Shooting habe:
Ich treffe mich mit der Person, wir shooten dann eine bis eineinhalb Stunden. Nach dem Shooting quatschen wir oft noch. Da erkläre ich auch, wie man die Fotos selektiert. Jeder Kunde darf sich die Fotos bei mir selbst auswählen, über eine bestimmte Seite, die ich nutze (und die für Fotografen geeignet ist). Meist noch am gleichen Tag lade ich die Fotos hoch. Ich warte immer bis der Kunde sich die Fotos, die er möchte ausgesucht hat. Je nach dem fällt die Bearbeitung der ausgewählten Fotos dann in meinen Nachtdienst (in der Pflege). Am Ende bekommt der Kunde die Fotos. Wenn ich etwas davon beispielsweise auf meinem Instagram-Account oder auf meiner Website posten möchte, spreche ich das vorher mit dem Kunden ab, ob das Foto in Ordnung ist und nehme auch eine Unterschrift auf Grund des Datenschutzes ein.

Gibt es Regeln, an die man sich als Fotograf halten sollte?

Es gibt einige Sprüche, wie zum Beispiel: „Wenn die Sonne lacht, blende auf 8“. Ich selbst muss dazu sagen, dass ich mich nicht wirklich an Regeln halte. Der Goldene Schnitt ist bei mir nicht immer der Goldene Schnitt. Ich versuche immer kreativ zu sein und mach das so, wie es gut aussieht, wie es mir gefällt und wie es dem Model gefällt. Klar schaue ich, dass der Bildaufbau gut ist, aber es passen nicht immer alle Regeln zu einem Foto. Ich schaue eher nach meinem eigenen Empfinden. Deshalb ist es auch sehr wichtig zu zeigen, ob man gelernter Fotograf oder Hobbyfotograf ist und trotz allem ein gutes Business hat. Bei vielen gelernten Fotografen das Kreative nicht in ihr Schema oder Kreativität hat eine andere Bedeutung für sie. Bei Hobbyfotografen liegt die Kreativität im Fokus und so ist das auch bei mir.

Wie war das Gefühl deines ersten Shootings?

An mein erstes Shooting kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Aber was ich weiß ist, dass ich bei neuen Dingen immer sehr aufgeregt bin. Mein Körper spielt da verrückt. Anfangs bin ich deshalb immer ziemlich schüchtern und zurückhaltend.

Wie hast du es geschafft so schnell so viele Shootings auf einmal zu bekommen?

Als ich damals angefangen habe war noch Facebook up-to-date. Jetzt ist es eher Instagram. Deshalb: durch SocialMedia. Ich netzwerke mich sehr oft in Facebook- und Instagramgruppen. Da schalte ich Werbung frei oder like einfach mal einige Bilder, die mir gefallen. Irgendwann kommt man dadurch in Kontakt.

Hast du Tipps, auf die man achten muss, wenn man fotografiert oder Fotomodel ist?

Zunächst zum Fotografieren. Ich sammle Beispiele auf Pinterest und Instagram und berede diese gerne. Ich bin ein Planer, aber mache auch spontane Sachen. Im Grunde muss ein Shooting etwas geplant sein, aber man muss aber auch kreativ sein. Ich würde sagen der Mix aus beidem ist das A&O.
Als Fotomodel ist mein größter Tipp, dass man sich erkundigen muss mit welchem Fotografen man shootet. Es gibt sehr viele schwarze Schafe. Je nachdem ob das Time-For-Prints (Kostenlose Shootings) oder Pay-Shootings (Kosten-Shootings) sind. Bei kostenlosen Shootings gibt’s ein Vertrag. Ohne Vertrag würde ich nichts machen. In diesem Vertrag steht drin, wie viele Bilder in welchem Zeitraum, das Modell bekommt, und weitere wichtige Dinge. Das ist individuell abhängig. Im Endeffekt modelt man ja auch, um Fotos zu bekommen. 

Hast du ein absolutes Lieblingsshooting?

Ein Lieblingsshooting habe ich nicht. Jedes Shooting ist anders und etwas Besonderes. Es hat immer seine Vor- und Nachteile. Bei Instagram sieht man oft die gleiche Location und das wird irgendwann mal langweilig. Deshalb suche ich mir da immer verschiedene Locations aus.
Für mich gibt es nicht DAS Model, sondern jedes einzelne Fotomodel ist wichtig und es offenbart sich immer etwas anderes. Damit meine ich, dass sich oft eine Freundschaft daraus entwickelt oder neue Aufträge von der gleichen Person kommen, oder von Bekannten dieser Person. Jedes einzelne Model erzählt eine Geschichte.
Das könnte ich auch als mein persönliches Highlight bezeichnen.
Dass sich die Models bei mir vor der Kamera wohl fühlen, kann man an meinen Bewertungen rauslesen und Fotos sehen. Ich bespreche auch vor einem Shooting in welchem Bereich das Model shooten möchte. Denn das liegt nicht in meiner Entscheidung, sondern in der Entscheidung des Models. Ich spreche nun mal ein Thema an, was viele einschüchtert: Dessous-Shootings. Ich hatte mal den Fall, dass ein Model ein Dessous-Shooting wollte, es aber auch ihr erstes Shooting in der Art war. Deshalb habe ich mir Zeit für das Model genommen und Shootings zum warm werden gemacht, bis es sich wohl im eigenen Körper gefühlt hat. Für mich ist es wichtig, dass sich die Models wohl fühlen. Es ist ein absolutes No-Go, wenn jemand zu etwas gezwungen wird, dass er nicht tun will.

Hast du schon einmal einen Tiefpunkt erreicht an dem du dachtest du schmeißt dein Hobby hin?

Ja den hatte ich. Das war vor zwei Jahren. Da wurde mir alles zu viel. Manche Shootings und einige Models haben mir Probleme bereitet. Da dachte ich jetzt reicht es mir, ich gebe doch schon mein Bestes und trotz allem komme ich nicht weiter mit meiner Fotografie. Das letzte was ich da gebrauchen konnte, waren Leute die mir Steine in den Weg legten. Das war der Punkt an dem ich dachte: das wars, ich schmeiß alles hin. Ich hatte das auf Instagram verkündet, dass ich aufhören möchte mit meinem Nebenjob als Fotograf. Ich fand meine Community und meine treuen Kunden hatten das Recht dazu es zu wissen. Aber ich wurde überrascht. Es kamen sehr viele Nachrichten von Menschen, mit denen ich keinen Kontakt hatte, Menschen mit denen ich sehr wenig Kontakt hatte oder Fotografen, die sehr erfolgreich sind und ich als Vorbild genommen hatte. All diese Menschen meinten ich soll weiter machen, es ist nur eine Phase. Diese Phase würde jeder durchleben. Außerdem haben mich meine Freunde unterstützt und meinten, ich soll auf keinen Fall mit der Fotografie aufhören. Ich würde etwas Gutes machen und mein Talent hinschmeißen.
All das hat mir Kraft gegeben mein Hobby nicht einfach hinzuschmeißen. Und genau dafür steht auch mein Kamera-Tattoo am Handgelenk. Viele haben mir aus meiner kleinen Krise geholfen und das bedeutet mir unfassbar viel.

Hast du während einem Shooting mal etwas Magisches erlebt?

Während einem Shooting nicht, nein. Aber ich habe meistens danach Flashback, bei denen ich sage: „Mamma Mia war das Shooting cool“. Deshalb hat sich auch mein Selbstbewusstsein ein wenig entwickelt. Manchmal aber auch das Selbstbewusstsein von meinen Models. Bei einer Person, die sich gar nicht schön findet, zum Beispiel mein Client der Spastiker ist, habe ich geschafft, dass er sich sich selbst lieben lernt und schön findet. Selbst eine junge Frau, die Lipödem hat meinte zu mir trotz der Erkrankung kann sie ziemlich schön sein. Das bedeutet mir sehr viel. Das war auch einer meiner Highlights. Da freu ich mich so sehr, dass ich nach Hause komme und wie ein kleines Kind in der Wohnung umherspringe. Ich weiß ab dem Zeitpunkt, dass sich die Person, die davor schüchtern und unsicher vor meiner Kamera stand, mehr zutraut. Dass diese Person sich durch das Shooting weiterentwickelt hat und gelernt hat sich zu akzeptieren. Damit habe ich einfach etwas bewirkt. Und das macht mich glücklich und ist für mich vergleichbar mit etwas Magischem.  

Hattest du schon Ängste?

Existenzängste hatte ich nicht, da ich einen Job habe. Gerade auch während der Corona Zeit hatte ich Glück, dass ich einen Pflegejob noch nebenbei habe, weil ich trotzdem bezahlt werde. Ich lebe nicht nur von Fotografie, deshalb gibt es diese Art von Ängsten nicht.
Aber ich hatte öfters mal vor Shootings Ängste. Zum Beispiel wenn ich mit bekannten Personen Shootings habe oder Situationen nicht planen kann. Eine Hochzeit habe ich auch mal gemacht. Dabei hatte ich folgende Frage im Kopf: Was, wenn dem Brautpaar die Fotos nicht gefallen? Man kann nämlich nicht mehr wiederholen was eine Hochzeit aus macht. Klar kann man das Brautpaarshooting wiederholen. Aber die gleichen Emotionen kann man nicht so nachstellen, wie es an Ort und Stelle einmal war. Auch bei Dessous-Shootings habe ich manchmal Ängste. Das ist nämlich ein ziemlich intimer Moment. Die Frau oder der Mann ist nackt. Als Fotograf möchte man kein Gaffer sein und da lege ich ziemlich großen Wert darauf. Wenn eine Person sich im Outdoorshooting zum Beispiel umzieht drehe ich um und beschäftige mich mit etwas anderem. Wenn sie sagt ihr macht es nichts aus, schaue ich trotzdem weg. Gerade bei solchen Shootings habe ich besonders große Angst in eine Nische reinzukommen, in der die Personen denken ich wäre ein Gaffer oder Perverser.

Kannst du dir vorstellen irgendwann mal nur von der Fotografie zu leben?

Ja das kann ich. Nur die Konkurrenz in diesem Bereich ist sehr groß. Man muss sehr viel darauf achten, dass genügend Aufträge reinkommen. Man kann nicht mehr nur noch das machen, was man möchte, sondern muss sich auch auf Dinge einlassen, die nicht an erster Linie stehen. Dabei kann es sein, dass die Leidenschaft zur Fotografie verloren geht. Ich interessiere mich eher dafür Menschen und Tiere, als Produkte oder Immobilien zu fotografieren.

Wieso kannst du sagen „ich mache mein Hobby zum Beruf?“/ „ich lebe meinen Job“?

Für mich ist die Fotografie nicht nur ein Job. Sie ist für mich eine Leidenschaft, denn sie bringt mir einen Alltagsausgleich und wenn ich ein Shooting habe, ist es für mich keine Arbeit, sondern mein Hobby. Es macht mir Spaß mit Menschen umzugehen und unter Menschen zu sein. Ich gestalte damit sehr gerne meine Freizeit. Ich habe aus meinem Hobby einen Beruf gemacht. Und dieser Beruf ist für mich meine Leidenschaft.

Dein Statement.

Mir ist es sehr wichtig, dass jeder Mensch sich schön fühlen soll, kann und darf. Jeder von uns Menschen ist einzigartig. Trotz Macken, Krankheiten oder Fehlern kann man sich vor die Kamera trauen. Egal ob du dick, dünn, klein, groß, Tattoos, gepierct, im Rollstuhl sitzt oder irgendeine Krankheit hast. Vielleicht bist du auch Homogen oder Heterogen? Mir ist es sehr wichtig, dass Menschen sich akzeptieren und mit sich zufrieden sind. Solang es niemanden selbst gefährdet oder andere gefährdet, kann jeder aussehen wie er möchte und machen was er möchte.

Fühlst du dich nun schöner? Hast du vielleicht jetzt gemerkt, dass auch DU einzigartig bist?
Falls ihr Fragen zur Fotografie habt, oder einfach mal Model sein möchtet und einen Shooting-Termin dafür braucht, dann schreibt doch Daniel einfach mal auf Instagram. Vielen Dank fürs Lesen! Lasst mir gerne Feedback da! Falls ihr irgendwelche Eigenschaften, Hobbys oder weitere Themen habt, die ihr interessant findet, oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, … ihr kennt das Spielchen, meldet euch gerne bei mir!😊~M

Momo

Hey! Willkommen auf meinem Blog. Ich bin 24 und schreibe für mein Leben gern. Auf meinem Blog findest du einmal den Journal, in dem ich Interviews durchführe und dir aktuelles mitteile, aber auch die TeaTimeStories, in denen es um Gedankengänge und Kurzgeschichten geht. Seit neustem bin ich dabei in "We all are just Stories" mehrere Kapitel meiner Kurzgeschichte zu veröffentlichen. Viel Spaß beim Stöbern! :) Deine Momo

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